Anne Rose Bekker, Dieter Ladewig, Jürgen Leyh, Sabine Kunz / Malerei, Grafik
/ 9. - 31. Juli 2003
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Blick in die Ausstellung während der Eröffnung am 9. Juli 2003 in der Intendanz des MDR, Magdeburg
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1. Aktsymposium im Künstlerhaus Tessenow-Garage in Magdeburg - Ein Zuwort von Ludwig Schumann
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"Ein Maler wird sich mit seiner Malerei wenig auszeichnen, wenn er die Bilder der anderen Maler
zu Urhebern seiner eigenen macht; wenn er aber von den Werken der Natur lernt, wird er gute Früchte
ernten ..." beschreibt kein Geringerer als da Vinci 1415 das Problem und führt als leuchtendes
Beispiel Giotto an, "der sich nicht damit begnügte, die Werke seines Meisters Cimabue nachzuahmen",
sondern Naturstudien, Bewegungsstudien zeichnete und über dieses Zeichnen zu seiner ganz persönlichen
Bildsprache fand. In diesem Zeichnen nach der Natur sieht da Vinci den Schlüßel zur Meisterschaft.
Da Vinci geht sogar soweit, dass er behauptet, "dass alle, die als Urheber etwas anderes hernahmen als
die Natur, ... sich vergeblich abmühten".
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Arbeit mit einem Modell im Atelier in Magdeburg
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Vier Künstler stellen heute aus: Sabine Kunz, Anne Rose Bekker, Jürgen Leyh und Dieter Ladewig. Was
also mag vier erwachsene Maler dazu treiben, Aktstudien, Arbeiten, die im Zusammenhang mit dem
1. Aktsymposium im Künstlerhaus Tessenow-Garage in Magdeburg entstanden sind, heute der Öffentlichkeit
zu präsentieren. Ich denke es ist nicht ganz falsch, mit dem eingangs zitierten da Vinci zu rechnen: Es sind
Suche, Bestätigung oder Korrektur des bisherigen Weges, sich für eine bestimmte Zeit aus sich selber
herauszunehmen und Ansätze im Nachspüren von Linien, Ideen, Gedanken des anderen Körpers zu finden. Wer
nicht nachahmen will, setzt sich immer wieder diesem Nachspüren aus. Dabei sind die subjektiven Ansätze
für diese Arbeit sicher so unterschiedlich wie die hier beteiligten vier Künstler.
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Arbeit im Atelier in Magdeburg
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... Anne Rose Bekker kam das Symposium ausgesprochen gelegen, weil sie gerade in einer Phase ist, in der der
menschliche Körper, in der Gegenständliches überhaupt plötzlich wieder eine immense Bedeutung für sie
kriegt. Sie lebt gerade den alten Konflikt zwischen Realismus und Abstraktion - und wie bringt man beides
zusammen. Der Auszug aus der Abstraktion bringt aber wieder neue Probleme mit sich. Natürlich kann man
nicht einfach zurücktreten und sagen: Fangen wir nochmal dort an, wo wir in der Darstellung des Menschen
aufgehört haben. Was, bitte schön, hat Malerei anderes zu sagen als Fotografie? Und schon kommen wir
auch wieder an selbst auferlegte Grenzen, die mit unserer Geschichte zu tun haben. Den menschlichen Körper
bewundern, wie schnell gerät er in das Fahrwasser einer Ästhetik, die nun tatsächlich angreifbar wird?
Wie schnell aber verbieten wir uns auch diese Angreifbarkeit selbst? Im Nachspüren des Körpers beginnt
dieser Weg zwischen sich steigernder Bewunderung, Ekstase, dem Mut zum Hymnischen - und dem jähen Stop
und Sinkflug der Ekstase in die Realität des Faktischen. Bei Anne Rose Bekker spürt man das Herz schlagen,
einerseits aus dem sich selbst auferlegten, im Protest gegen das Faktische, das politische Umfeld damals,
inspirierten Abstraktionismus ausbrechen zu wollen, auch, weil man die Abwesenheit des Menschen in der
Abstraktion nicht mehr verwinden kann - und der jähen, ungeschützten Ankunft in einer Realität,
die man auch nicht will, die einen verletzbar macht, die den Menschen ungeschützt läßt. Die Frau als
Göttin, wohlproportioniert, schön, wird zum Sinnbild der Ohnmacht, der Verletzbarkeit. Wie bringt man
beides zueinander: Hier ist der Beginn, auf der Folie eines Hyperrealismus die Abstraktion in der
Übermalung zu suchen. Es bleiben Reste, das Realistische wird zerstört in einer Art Inschutznahme. ...
(gekürzt auf den Teil zu ARB)
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Ludwig Schumann ist Vorsitzender des Vierung Kunstvereins e.V., Magdeburg |
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